Eierhütte

Suche


Nächste Termine

26. August 2017 (Samstag)
15:00 - 17:00 Uhr
03. September 2017 (Sonntag)
13:00 - 20:00 Uhr

Sie befinden sich hier > Startseite Freunde des Jenischpark e.V. > Der Park > Eierhütte

Die Eierhütte

An bevorzugter Stelle mit weitem Blick über das Flottbektal steht heute wieder zwischen Wiese und Wald eine kleine Holzhütte. Die ovalen Fenster gaben ihr im Volksmund den Namen „Eierhütte“.

„Hütten und Sitze aus den Aesten der Bäume, welche sie beschatten, und dem in diesem Schatten wachsenden Moose zusammen gesetzt (...) schienen allein sich der Gattung anzupassen, welche die Engländer ornamented farm nennen.“ (Caspar Voght, 1824). Borken- und Mooshütten (engl. roothouses) bündeln viele Topoi der Antike, der Aufklärung und der „Empfindsamkeit“.

In römischer Capitalis-Schrift steht im Giebel die Widmung: AMICIS ET QVIETI (Der Ruhe und den Freunden geweiht). Die Inschrift galt dem Freundschaftskult der Zeit, der Besinnung auf die Wahrhaftigkeit und Nähe zwischen Freunden. Sie galt konkret Caspar Voghts Freunden in ganz Europa, zu denen bedeutende Philosophen, Naturwissenschaftler und Politiker zählten, u. a. auch Goethe. Sie galt auch seinem Flottbeker Freundeskreis, vor allen anderen Madgalena Pauli, geb. Poel, seiner großen Liebe, für die Voght einige seiner schönsten Park-Szenen anlegte.

Die „Aufklärung“ wandte sich vom frivolen, zügellosen Rokoko ab und suchte im Ursprünglichen das Unverfälschte und Wahrhaftige. Sie forschte nach dem Ursprung der Sprache, der Gesellschaft, der Empfindungen und der Naturerscheinungen. Die Architekten des Klassizismus dachten, wie in der Antike schon Vitruv, über die Ursprünge der Baukunst nach: von der Höhle zum römischen Gewölbe, von der Baumhütte zum Tempel der Griechen. In den neuen Landschaftsparks bauten die Architekten dann beides lehrhaft nach: die „primitive huts“ einerseits, andrerseits verkleinerte Pantheon-Kuppeln und Säulentempel. Auch Voght hatte am Elbufer einen ruinösen Tempel errichten lassen, der heute nicht mehr erhalten ist.

Auch die kleine „Eierhütte“ im Jenischpark stand für die Gedankenwelt um 1800. Nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, wurde sie 1995 mit Hilfe von Spendengeldern nachgebaut. Statt brandgefährdetem Reet deckt heute ein Grasdach die Hütte.

Zurück zum Parkplan...